#6 Geschichten aus Bordeaux – Direkt an der (Wein-)Quelle: Was ist eigentlich Crémant?

#6 Geschichten aus Bordeaux – Direkt an der (Wein-)Quelle: Was ist eigentlich Crémant?

Seit einiger Zeit habe ich nun auch Crémant in meinem Sortiment. Les Cordeliers versektet in einem alten Kloster direkt in Saint-Emilion und gibt mir die Möglichkeit ein relativ atypisches aber leckeres Produkt in Deutschland anzubieten. Wenn ich allerdings von Crémant spreche, dann haben einige den Begriff schon einmal gehört. Ich behaupte aber, dass für die Mehrheit der Begriff nicht so richtig einzuordnen ist. Oftmals wird Crémant einfach mit Sekt übersetzt. Warum aber diese Gleichung nicht wirklich aufgeht sowie andere interessante Fakten zu Schaumweinen, die man erst auf den zweiten Blick realisiert, davon handelt dieser Artikel. Viel Spaß beim Lesen!

Schaumwein, Oberbegriff für „Prickelwasser“

Ich habe in der Einleitung bewusst den Begriff Schaumwein benutzt. Und auch wenn Sie jetzt direkt an klebrigen, süßen kohlensäurehaltigen Wein mit Kopfschmerzgarantie denken, bitte trotzdem weiterlesen. Ich weiß nicht genau, woher die Ablehnung oder das negative Image des Begriffes „Schaumwein“ kommt, aber Tatsache ist, dass Schaumwein der allgemeine Oberbegriff für prickelnde Weine aller Art ist. Champagner, Prosecco, Crémant, … alles Schaumweine per Definition und qualitativ hochwertig! Eine verblüffende Beobachtung konnte ich letztes Jahr bei einem meiner Marktauftritte machen. An einem Tag schrieb ich meine Weine als Schaumweine aus und am darauffolgenden Tag als Crémant. Der Unterschied zwischen Skepsis und Zuspruch zwischen den beiden Tagen lediglich aufgrund der Bezeichnung auf der Preisliste war frappierend! Aber was ist jetzt der Unterschied zwischen Sekt und Crémant?

Sekt und Crémant: Die Unterschiede

Die Besonderheit des Crémant ist, dass er immer direkt an ein Anbaugebiet mit geschützter und kontrollierter Herkunftsbezeichung (AOP) gebunden ist, wie z.B. Crémant d’Alsace oder eben wie bei Les Cordeliers: Crémant de Bordeaux. Sekt hingegen ist nicht gebietsbezogen, es sei denn er wird als „Deutscher Sekt“ bezeichnet. Im Umkehrschluss heißt das, dass die Trauben und Weine für „normalen“ Sekt irgendwo aus Europa kommen können. Das erklärt auch, warum Deutschland einer der wichtigsten Importeure von nicht abgefüllten spanischen und italienischen Weißweinen ist. Also bitte nicht der Illusion hingeben, die Trauben einer beliebigen deutschen Sektmarke kämen zwangsläufig aus Deutschland, nur weil die Marke deutsch ist. Streng genommen darf man Crémant und Sekt folglich nicht gleichsetzen. Für Crémant gibt es durchaus strengere Vorgaben als für Sekt.

Unterschiedliche Gärungsmethoden

Noch eine Besonderheit des Crémants ist die obligatorische Flaschengärung nach der traditionellen Methode. Bei der Bezeichnung Sekt können verschiedene Methoden angewandt werden. Die am häufigsten gewählte Methode (90% der Produktion) ist aus Kostengründen die Tankgärung. Natürlich kann man bei Qualität verschiedener Weine nicht verallgemeinern, es gibt guten Sekt und schlechten Champagner, alles subjektiv. Geschenkt! Was man aber durchaus festhalten kann meiner Meinung nach: Aufgrund der Kontrollen und Herkunftsbestimmungen für Crémant ist die Wahrscheinlichkeit zufällig einen guten Crémant zu greifen höher, als zufällig einen guten Sekt zu greifen. Die Qualitätsoffensive bzw. die Kontrollen und Standards sind zugegeben noch nicht sehr alt. Aktuell gibt es 8 Crémant-Gebiete, Crémant de Bordeaux zählt seit 1990 dazu. Der Marktanteil ist aber noch sehr gering und wird überlagert von den großen Crémant-Gebieten, vor allem dem Elsass.

Emanzipation des Crémants

In den letzten Jahrzehnten hat sich der Crémant in Frankreich Stück für Stück aus dem großen Schatten des Champagners gelöst. Ähnlich wie bei Prosecco, Sekt und Cava nehmen die Kunden auch Crémant zunehmend als alternatives Produkt zu Champagner war, vor allem dank eines deutlich besseren Preis-Leistungs-Verhältnisses. Zunehmend kommt deshalb auch der Crémant nach Deutschland. Der Import wird nötig, da wir Deutschen die absoluten Schaumweinweltmeister sind. Zwar produzieren wir selbst auch einige Flaschen, aber rund ein Fünftel der Schaumweinflaschen auf der Welt werden in Deutschland entkorkt. In Bezug auf die Importe sind wir auch ganz vorne dabei und liegen in den Top5, aber aufgrund unserer eigenen großen Produktion hinter Ländern wie England und USA. Einen zusätzlichen Schub bekam der Crémant bereits Ende der 80er Jahre, als die Bezeichnung „Champagnermethode“ für Schaumweine außerhalb der Champagne verboten wurde. Anschließend wird nur noch von der „traditionellen Methode“ gesprochen. Diese ist Pflicht für die Herstellung von Crémant und somit ein direktes Qualitätskriterium.

Ich hoffe, die Unterschiede zwischen verschiedenen Schaumweinbezeichnungen sind nun etwas transparenter. Grundsätzlich gilt, ein genauer Blick auf das Etikett lohnt immer, hier kann man häufig schon Qualitätsmerkmale ablesen. Ansonsten gilt natürlich mit Freude Probieren geht über Studieren! Aber natürlich in Maßen und bewusst genießen!

Wer nun Lust auf Crémant bekommen hat und neugierig ist, kann sich hier die beiden Crémants genauer anschauen und bestellen:

Zum Crémant Weiß: Les Cordeliers Exclusive Blanc Brut 13,50 € /Flasche (inkl. MwSt)

Zum Crémant Rosé: Les Cordeliers Exclusive Rosé Brut 13,90 € /Flasche (inkl. MwSt)

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