#1 Geschichten aus Bordeaux – Direkt an der (Wein-)Quelle

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Katastrophenjahr 2017, ein Jahrgangsrückblick

Der Dezember ist der Monat der zahlreichen Jahresrückblicke, manchmal mehr und manchmal weniger interessant. Wir möchten das zum Anlass nehmen und auf den Jahrgang 2017 zurückblicken. In Bordeaux haben die äußeren Umstände dazu geführt, dass die Euphorie nach den qualitativ hochwertigen und ertragreichen Jahrgängen 2015 und 2016 schnell gewichen ist, vor allem im östlichen Teil des Bordelais rund um Saint-Emilion, Pomerol und entlang von Garonne und Dordogne. Es scheint förmlich ein Fluch auf den 7er Jahrgängen zu liegen. In der jüngeren Weinbaugeschichte waren alle Jahrgänge, die auf sieben enden, eher schwierige, durchwachsene oder zumindest sehr heterogene Jahrgänge in Bordeaux. Als letztes ist hier 2007 zu nennen, der von der Fachpresse zerrissen wurde, und wo es eine starke Häufung unreifer Weine gab, mit Ausnahme der Weißweine aus Pessac-Léognan und Sauternes.

Die verflixte 7

Nun aber der Reihe nach: Der Jahrgang 2017 stand schon relativ früh im Jahr unter keinem guten Stern. Frühsommerliche Temperaturen im März verhießen nichts Gutes und führten zu einer sehr frühen Aktivität der Rebstöcke. Die Knospen fingen bereits an zu sprießen. Eine fatale Wendung nahm die Entwicklung Ende April. Zweimal innerhalb von 7 Tagen fielen die Temperaturen über Nacht auf unter 0 Grad Celsius. Frost ist in diesem Stadium der Entwicklung der Rebstöcke absolutes Gift für die jungen Triebe. Die Knospen und Triebe erfrieren, fallen ab und lassen einen förmlich verbrannten Rebstock zurück, der auch keine weiteren Triebe mehr entwickelt.

Mehr als 50% Ertragseinbußen in Bordeaux

Vor allem das Gebiet rund um Pomerol und Saint-Emilion war stark betroffen. Die Anbaugebiete, die an der Gironde-Mündung und näher zum Ozean liegen, wie zum Beispiel das Médoc, waren weniger stark betroffen. In Saint-Emilion gab es hingegen beeindruckende Szenen zu bestaunen. Die Weinberge standen in Flammen, da die Winzer durch Feuerstellen und Fackeln die Frostgefahr senken wollten. Die finanzstarken Grand Cru Classé Weingüter griffen zu noch weit kostspieligeren Mitteln. Hier wurden Helikopter gechartert, die dicht über die Weinberge fliegen sollten, um die durch die starke Luftumwälzung erzeugte Wärme durch die Weinberge zu blasen. Durch diese Methode wird der Frost der Reben verhindert, die meisten Winzer können sich allerdings diese zusätzlichen Kosten im fünfstelligen Bereich schlicht nicht leisten. Viele Existenzen wurden akut bedroht und so kam es im Herbst bei der Weinlese zu einer erhöhten Zahl von Traubendiebstahl. Ganze Parzellen wurden nachts widerrechtlich abgeerntet. Die Lokalpresse meldete 7 Tonnen gestohlene Trauben innerhalb von nicht einmal zehn Tagen.

Verheerende Konsequenzen für die Winzer und starke Auswirkungen auf den Weinmarkt

Einige Weingüter konnten durch die Schutzmaßnahmen Teile ihres Ertrages retten, die Mehrheit hat jedoch deutliche Einbußen hinzunehmen. Gerade die kleineren Betriebe sind stark betroffen, zumal meist aus Kostengründen nur 25% der Winzer Versicherungen abgeschlossen haben. Die Versuchung sich beim Nachbarn zu bedienen war groß.

Die zu erwartende niedrige Ernte führte bereits bei den Weinverkäufen „En Primeur“ im April und Mai zu einem signifikanten Preisanstieg. Bei den sogenannten Subskriptionsverkäufen der Grand Cru Classé Weingüter wurde der Jahrgang 2016 zum Verkauf freigegeben. Nach den Frostvorfällen wurden die Kontingente, die den Weinhändlern angeboten wurden, deutlich reduziert und die Preise zogen im Durchschnitt spürbar an. Böse Zungen behaupteten, dass die Weingüter von der meteorologischen Hiobsbotschaft und der medialen Aufmerksamkeit profitierten um das Angebot zu verknappen und die Preise zu erhöhen, obwohl das genaue Ausmaß der Schäden noch gar nicht klar war.

Kaum Weißwein und wenig Merlot, Bergerac deutlich weniger betroffen

Tatsache ist, dass auch bekannte Weingüter stark betroffen sind. So hat Château Fleur Cardinale, Grand Cru Classé aus Saint-Emilion, diese Woche angekündigt nur 8 Barrique-Fässer des 2017er Jahrgangs zu produzieren. Es werden nächstes Jahr ausschließlich 1000 Magnum-Flaschen 2017er in den Handel kommen. Aktuell sind noch ältere Jahrgänge bei den Weingütern und den Weinhändlern im Lager, allerdings ist davon auszugehen, dass sich dieser Lagerbestand zunehmend reduziert und in den nächsten 2-3 Jahren Lieferengpässe entstehen können. Spekulationen mit den Grand Cru Weinen könnten die steigenden Preise noch verstärken. Hier besteht eine große Gefahr, dass sich die Konsumenten zunehmend anderen Weinländern zuwenden.

Unser Partner, die Vignobles Artigue, sind auch stark betroffen und haben mit deutlichen Ernteeinbußen zu kämpfen, vor allem der Entre-Deux-Mers Sauvignon Blanc ist betroffen. Aktuell haben wir leider auch nichts mehr im Lager. Für schnellen Nachschub sieht es leider schlecht aus. Glücklicherweise konnte ich ein zweites Partnerweingut gewinnen im September, das Château Vari. Deutlich weniger vom Frühjahrsfrost betroffen, bietet das Weingut ebenfalls einen trockenen Weißwein an, den ich als Alternative zum Entre-Deux-Mers wärmstens empfehlen kann.

Hier geht es direkt zum Wein: Château Vari Bergerac Blanc Sec 2016, 6 EUR/Fl.

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